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Baubericht: russ. Grosses U-Jagd-Schiff KERCH, Kombrig 1/700, Teil 1 Drucken
Donnerstag, 05. Februar 2009 um 07:00

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Bildquelle: sevastopol.info

Historie

Von den zwischen 1970 und 1977 auf der Nosenko-Werft in Nikolajew fertiggestellten sieben Raketenkreuzern der Kara-Klasse, Projekt 1134 Berkut B, passierte das Typschiff - die NIKOLAEV - am 2. März 1973 zusammen mit dem U-Jagdkreuzer MOSKVA den Bosporus in Richtung Mittelmeer, um zur dort stationierten 3. Eskadra zu stoßen. Zuvor hatte die NIKOLAEV ein Raketenschießen im Schwarzen Meer durchgeführt, bei dem außer Verteidigungsminister Marschall A. Gretschko die Führungsspitze der Sowjetmarine -u.a. der Oberbefehlshaber der Sowjetmarine, Flottenadmiral S.G. Gorschkow, der Befehlshaber der Rotbanner-Schwarzmeerflotte, Admiral V. Sysojew sowie andere hochgestellte Persönlichkeiten - anwesend war, um sich einerseits von der Bewaffnungsstärke der NIKOLAEV zu überzeugen und um andererseits die Bedeutung dieser neuesten Raketenkreuzer-Klasse zu dokumentieren.
Da die NIKOLAEV in ihren Ausmaßen um gut ein Drittel größer ist als die Einheiten der Kresta II-Klasse, interessieren vor allem die technischen Daten. Bei einer Typverdrängung von 8200 ts und einer Einsatzverdrängung von 9800 t hat die NIKOLAEV eine Länge über alles von 173, 8 m. Die Breite beträgt 18,3 mund der Tiefgang 7,5 m. Der Antrieb der Kara-Klasse erfolgt - im Gegensatz zur Kynda- und Kresta-Klasse, die noch den herkömmlichen Dampfantrieb hatten - durch vier Gasturbinensätze, wobei der Vortrieb der Schiffe über zwei Wellen erfolgt. Die Antriebsanlage ist in mehreren, durch Schotten voneinander abgetrennten Abteilungen aufgestellt. Die Antriebsleistung, die zwischen 110000PS und 130000 PS liegt, erlaubt Ihnen eine Höchstgeschwindigkeit von 34 kn. Die Besatzungsstärke liegt bei 540 Mann.
Betrachtet man die Raketenkreuzer der Kara-Klasse im Hinblick auf ihre Konstruktion, so läßt sich erkennen, dass die Schiffe als Glattdecker mit strakendem Deckssprung gebaut wurden. Der sehr stark eingezogene sichelförmige Klippersteven mit den Ankerklüsen in vorlicher Position deutet auf das Vorhandensein eines Bug- Sonarwulstes hin. Zum Heck hin ist die Hauptdeckskante leicht hochgezogen worden und endet im Heckabsatz mit dem umgestalteten Kreuzerheck, in dem die Klappe der VDS-Anlage eingebaut ist. Das gleiche Heck weisen ebenso die FK-Zerstörer der Krivak- und Kashin-mod-Klasse auf. Diese VDS-Heckklappe befindet sich mit ihrer Unterkante ca. einem halben Meter über der Wasserlinie. Damit das tiefeneinstellbare Schleppsonargerät ausgebracht werden kann, muß die Heckklappe nach oben aufschwingen. Danach erfolgt die Zuwasserlassung des Sonargeräts über eine Rampe.
Die Aufbauten entsprechen in ihrer Anordnung und Ausführung denen der Kresta II-Klasse und gliedern sich in die drei Hauptgruppen:
- Brücke mit Dreibeingittermast und davor befindlichem FK-Leitgerät
- der alles überragende Pyramidenmast mit seiner Vielzahl an elektronischen Sensoren und der nachfolgende Schornstein
- das achtere FK-Leitgerät auf einem speziellen Unterbau.
Die von den Sowjets als grosse U-Jagd-Schiffe bezeichneten Kriegsschiffe sind von ihrer Funktion her als Kreuzer einzustufen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die NIKOLAEV und ihre sechs Schwesterschiffe mit einer starken U-Jagd- und Luftabwehrbewaffnung ausgerüstet worden sind, die es ihnen ermöglicht, innerhalb eines Großverbandes als Hauptkampfschiffe aufzutreten. Durch die Erhöhung der Tonnage und der damit verbundenen erhöhten Standkraft und verlängerten Seeausdauer können die Raketenkreuzer der Kara-Klasse jedoch auch die Aufgaben eines Führungsschiffes innerhalb eines Verbandes übernehmen.
 
Die KERCH lief 1974 vom Stapel, erhielt 1988/89 das neue MR-700-Hauptsuchradar und eine Umrüstung auf den neuen URK-5 Rastrub-B Raketentorpedo. Sie ist auch die einzige noch 2008 aktive Einheit. Die PETROPAVLOVSK hatte einen höheren Hangar für den Hubschraubertyp Ka-27 Helix, sowie zusätzliche ECM-Anlagen an den Seiten des Hangars, anstelle der hier fehlenden RBU-1000 Werfer. Sie verfügt auch über den URK-5 Rastrub Raketentorpedo, statt dem UPRK-3 Metel wie in den anderen Einheiten und liegt in Reserve. Die AZOV wurde als Erprobungsplattform für das neue SA-N-6-System und das dazugehörige Feuerleitsystem Top-Dome verwendet. VLADIVOSTOK liegt ebenfalls in Reserve.
 
Bewaffnung:
2 x 4 URK-5/SS-N-14 Rastrub/ASW Raketentorpedos
2 Shtorm SAM-System (80 V-611/SA-N-3 Goblet)
2 Osa-M SAM-System (40 4M-33/SA-N-4 Gecko)
2 x 2 76.2mm/59cal AK-726 DP Mehrzweckgeschütze
4 x 6 30 mm AK-630 AA Gatling-Flugabwehrkanonen
2 zwölfrohrige Werfer RBU 6000, 2 Werfer RBU 1000
2 x 5 533 mm-Torpedorohre
1 U-Jagd-Hubschrauber Kamov Ka-25/27

Der Bausatz

Kombrig stellt die KERCH in modernisiertem Zustand ab etwa 1989 dar, was sich beispielsweise am beiliegenden Bauteil für das neue Flat-Screen-Suchradar zeigt, das das bisherige Top-Sail-Radar ersetzte. Auch der zusätzliche Vorbau vor der Brücke wurde berücksichtigt. Der Schiffsrumpf und 26 in Resin gegossene Trägerteile kommen als Bausatz in einer leider für den Preis unangemessenen Verpackung zum Modellbauer, so dass beim Transport schon einige empfindliche Teile beschädigt worden sind. Hier sollte Kombrig mal überlegen und dringend nachbessern. Der Rumpf an sich ist sehr gut ausgeformt, plan und weisst nur oberhalb der Wasserlinie leichte Sinkstellen auf. Auch an Bullaugen wurde gedacht, Poller, Ankerketten, Wellenbrecher und Schanzkleider des Hauptdecks sind filigran geformt, die beiden Behälter für die ausfahrbaren SA-N-4 Gecko-Doppelarmstarter am Rumpf ebenfalls mit angegossen. Türen fehlen, können aber nachträglich durch PE-Teile ergänzt werden. An verschieden Positionen sind anscheinend Arretierungsbohrungen in einzelne Decksbereiche eingelassen.
Die beiden Doppelarmstarter für die SA-N-3 Goblet sind in dieser Form nicht besonders brauchbar, wurden aber in der Bauphase zunächst am Modell montiert, später jedoch durch weitaus besser detaillierte Spritzgussteile ersetzt. Gleiches galt für die Teile für das Head-Light-C-Feuerleitradar.

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Der Bau

Ich hatte mich dazu entschlossen, die Kerch im aktuellen modernisierten Zustand ab etwa 1989 darzustellen, was im Nachhinein auch einiges an Scratchbau mit PE-Teilen erforderlich machte.

Ein Resin-Bausatz lässt sich nicht mit einem normalen Polystyrol--Spritzguss-Bausatz vergleichen. Das zeigt sich schon an der Tatsache, dass hier erheblicher Mehraufwand in Form von Säge- und Schleifarbeiten zu bewerkstelligen ist. Zunächst wurde der relativ gut gegossene Schiffsrumpf sauber entgratet und überprüft. Lediglich über der Wasserlinie waren leichte Sinkstellen zu verspachteln und zu verschleifen, die hinterher zur Überprüfung grundiert wurden. So lässt sich leicht feststellen, wo noch nachgearbeitet werden muss. Anhand von Originalzeichnungen und -fotos wurden fehlende Bullaugen an der Schanz vor der Brücke gebohrt, siehe rechtes Bild. Um die Detaillierung aufzuwerten galt es fehlende wasserdichte Türen und auch Leitern anzubringen.
 
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Beim Bauteil für die Brücke war das Schanzkleid links nicht ausgegossen, so dass hier das fehlende Teil mittels Evergreen neu aufgebaut, verspachtelt und verschliffen werden musste, um ein brauchbares Ergebnis zu bekommen. Der dreieckige Aufbau auf dem hinteren Brückendach, der eigentlich den Dreibeingittermast aus Resin fixieren sollte, wurde abgeschliffen, verspachtelt und nachträglich grundiert, um später das wesentlich bessere PE-Teil montieren zu können.

 
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Das Teil für das Oberdeck ist in einen dünnen Trägerfilm gegossen und in sich verzogen, so dass ich es nach dieser Methode wieder richten musste. Etwas aufwändig, aber im Resin-Modellbau fast unvermeidlich.
 
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Nachdem sich das Decksteil wieder gerade gezogen hatte, wurde es sorgfältig aus dem Trägerfilm geschnitten und um die Dicke des Trägerfilms vorsichtig auf einer planen Fläche abgeschliffen. Dabei sollte man die Sicherheitsvorschriften zur Verarbeitung von Resin beachten und weitestgehend das Nassschleifen bevorzugen. Dann folgte die Versäuberung der vielen Ecken und Kanten.

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Jörg

- Fortsetzung folgt -

Quellen

Ulrich Schulz-Torge Die Sowjetische Kriegsmarine, Verlag Wehr & Wissen, 1976