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Deutsches Schlachtschiff Bismarck (1/350, Revell) von Marco Berger Drucken
Mittwoch, 06. November 2019 um 06:00

Ich bin 46 Jahre alt und komme aus Sachsen. Da ich 2015 schon das Schwesterschiff Tirpitz im Maßstab 1/350 gebaut habe, wollte ich irgendwann auch noch die berühmte Bismarck modellieren. Nachdem Revell vor drei Jahren sogar eine Platinum-Edition (siehe Bausatzvorstellung) auf den Markt brachte, schlug ich im Mai 2017 zu. Baubeginn war aber erst im Februar 2018.

Das Original

Zum deutschen Schlachtschiff Bismarck ein paar Daten und Fakten:

  • Kiellegung am 01.07.1936 bei Blohm & Voss in Hamburg.
  • Stapellauf am 14.02.1939, die Taufe erfolgte durch die Enkelin Otto von Bismarcks.
  • Indienststellung am 24.08.1940
  • Von September bis Anfang Dezember erste Erprobungsfahrten in der Ostsee.
  • Mitte Dezember bis Anfang März 1941 in Hamburg für einige Umbauten/Endausrüstungen in der Werft, danach nach Kiel verlegt.
  • Ab Mitte März 1941 Verlegung nach Gotenhafen.
  • Weitere Erprobungen in der Ostsee bis Mitte April
  • 12.4.41 Austausch der 2 cm-Einzellafetten auf der Scheinwerferplattform gegen Vierlinge in Gotenhafen.
  • 22.4.41 Befehl für „Unternehmen Rheinübung“ erhalten
  • Ende April Abgabe der Kutter und Dinghis sowie eines Chefboots, dafür zwei Motorpinassen aufgenommen.
  • 5.5.41 Inspektion des Schiffs durch Adolf Hitler
  • Mitte Mai Übermalung der Tarnstreifen an den Aufbauten, gelbe Turmdecken für die schwere und mittlere Artillerie; Abgabe des Bugankers wegen Gewichtsersparnis.
  • 18.5.41 Beginn „Rheinübung“: Bismarck läuft mit Prinz Eugen sowie Z 10, Z 16, Z 23, zwei Sperrbrechern und der 5. Minensuchflottille aus.
  • 20.5.41 Kattegat wird passiert, dabei von schwedischem Kreuzer Gotland gesichtet.
  • 21.5.41 Ankern im Grimstadfjord, Ergänzung der Brennstoffvorräte auf Prinz Eugen. Auf Bismarck letzte Streifen am Rumpf und Fliegersichtzeichen überpönt.
  • 22.5.41 Bismarck und Prinz Eugen laufen in Richtung Nordmeer aus.
  • 23.5.41 Sichtung des Verbandes durch britischen Kreuzer Suffolk
  • 24.5.41 5:35 Der Verband trifft in der Dänemarkstraße auf die Hood und die Prince of Wales; 5:52 Feuereröffnung durch die Briten; 5:55 Feuereröffnung des deutschen Verbandes; 6:01 Volltreffer auf Hood durch die fünfte Salve der Bismarck. 6:04 Hood gesunken, Prince of Wales drehte ab, Verfolgung durch Flottenchef Lütjens untersagt. Auf Bismarck wurde ein Brennstoffbunker beschädigt, wodurch Unmengen von Heizöl verloren gingen; 18:34 Prinz Eugen wird aus dem Verband entlassen; abends Angriff von neun Torpedobombern, ein Torpedotreffer ohne Schaden am Schiff; britische Fühlung zu Bismarck verloren.
  • 25.5.41 morgens – Absetzung von zwei längeren Funksprüchen durch Lütjens, dabei Einpeilung durch die Briten. Bismarck Kurs auf französische Westküste. Geplanter Angriff durch Force H (Ark Royal, Renown, Sheffield).
  • 26.5.41 vormittags – Sichtung der Bismarck durch britisches Flugboot; Erste Angriffswelle von Torpedobombern versehentlich auf Sheffield; gegen 21:15 zweite Angriffswelle erzielte Treffer in der Ruderanlage (Verklemmung auf 12 Grad backbord), zwangsweise Kursänderung auf Nordwest mit geringer Geschwindigkeit in Richtung britischer Kampfverbände.
  • - 27.5.41 morgens – Treffen der Bismarck auf Rodney, King George V, Norfolk und Dorsetshire, Feuereröffnung, ca. 700 Granaten auf Bismarck abgefeuert, Aufbauten zerstört, Rumpf jedoch intakt. Selbstversenkung durch Sprengungen im Schiffsboden, gesunken bei 48° 10' Nord, 16° 12' West; ca. 1400 Tote, 800 Männer im Wasser, davon nur 115 gerettet, da die Briten die Rettungsaktion aufgrund angeblichen U-Boot-Alarms nach kurzer Zeit abbrachen.

Technische Daten
Länge/Breite/Tiefgang    251,0/36,0/10,5 m
Wasserverdrängung max. 50.000 t
Antrieb 12 Dampfkessel auf 3 Satz Getriebeturbinen, 3 Propeller
Leistung 138.000 PS (projektiert), 150.170 PS (maximal erreicht)
Höchstgeschwindigkeit 30,1 kn (56 km/h)
Besatzung Standard 2.065, zuletzt 2.219 Mann inkl. Zivilisten
Panzerung 20 bis 360 mm
Ausrüstung 4 Bordaufklärer Ar 196 A-2/A-3, 7 Scheinwerfer, 6 Leitgeräte für schwere Artillerie, 2 zusätzliche Leitgeräte für mittlere Artillerie, 4 Flak-Leitstände, 8-13 größere Beiboote, 3-4 Anker, 3 x Radaranlagen (FuMO23/27), Unterwasserhorchgeräte, MES-Kabelschleife, Minenräumgeräte „Otter“

Bewaffnung
8 x 38 cm (L/47-SK) in 4 Zwillingstürmen
12 x 15 cm (L/55-SK) in 6 Zwillingstürmen
16 x 10,5 cm (L/65) in 8 Doppellafetten
16 x 3,7 cm (L/83) in 8 Doppellafetten
12 x 2 cm (L/65) in 12 Einzellafetten (August 1940)
15 x 2 cm (L/65) in 15 Einzellafetten (Januar 1941)
14 x 2 cm (L/65) in 14 Einzellafetten (März 1941)
20 x 2 cm (L/65) in 12 Einzel- und 2 Vierlingslafetten (April 1941)

Das Modell

Bei der Platinum-Edition der Bismarck von Revell (siehe Bausatzvorstellung), welche mittlerweile schon wieder vergriffen ist, sind eine Menge Zubehörteile der Firma Pontos enthalten: Holzdecks, Messingteile, Ankerketten, drei Fotoätzteil-Platinen. Aber es ist kein „Rundum-Sorglos-Paket“, sondern eine abgespeckte Variante des schon zuvor erhältlichen Pontos-Super-Detailsets. Leider wurde an einigen Stellen gespart, so dass ich mir noch die Eduard-Sets 53035 und 53036 zusätzlich kaufte. Es folgten weitere Detailsets von Veteran und AM Works. Dadurch sollte die Bismarck von vorn herein noch detaillierter gebaut werden als die Tirpitz.

Zunächst sollte es der Ausrüstungsstand 05.05.1941 werden; auf jeden Fall wollte ich die bekannte „Ostsee-Tarnung“ darstellen. Aber zu diesem Zeitpunkt waren noch einige Dinge unklar, denn ich legte wie immer besonderen Wert auf historische Genauigkeit. Die große Erleuchtung kam mir erst im September 2018, nachdem Stefan Draminski sein überragendes Bismarck-Buch herausbrachte. Dieses diente mir fortan als Vorlage. Da stehen eine Menge an Informationen drin, die ich bis dahin nicht wusste (und wahrscheinlich die meisten Modellbauer und Bausatz-Hersteller auch nicht). Zum Beispiel ist es allgemein beliebt, die Bismarck im letzten Ausrüstungsstand Mitte/Ende Mai darzustellen. Wer aber wie ich historisch genau bauen möchte (und darum sollte es meines Erachtens beim Modellbau gehen), wird keinen 350er oder 200er Bausatz finden, welcher dies problemlos ermöglicht. Ein großes Manko ist die korrekte Darstellung der Beiboote. Diese wurden nämlich Ende April nochmal geändert, was viele nicht wissen. Die dabei neu an Bord genommenen Motorpinassen gibt es in keinem Bausatz. Mit Hilfe des Buches habe ich mich dann komplett neu orientiert – neuer Ausrüstungsstand Anfang April 1941. Das hieß mit kompletten Beibooten, jedoch ohne die Vierlingsflaks auf der Scheinwerferplattform, die kamen erst Mitte April.

Im Gegensatz zur Tirpitz* damals 2015 sind die Farbtöne und auch die Tarnschemen der Bismarck weitgehend überliefert bzw. unbestritten. * (Durch die hervorragend recherchierten Bücher von Gehringer & Bonomi sind die Farbtöne und Schemen auf Tirpitz nun auch geklärt)

Als Besonderheit wollte ich eine verstaute Arado im vorderen geöffneten Flugzeughangar darstellen, obwohl das der Bausatz eigentlich nicht hergibt. Weitere kleine Gimmicks sind z.B. geöffnete Tür am Kommandoturm und geöffnete Klappen mit sichtbaren Entfernungsmessern im Turm Bruno.

Der Bau kostete durch die vielen zusätzlichen Zurüstteile wesentlich mehr Zeit als bei der Tirpitz 2015, insgesamt ca. 900 Stunden innerhalb von 84 Wochen.

Wie schon bei Tirpitz wurden noch viele andere Sachen korrigiert, bei denen der Bausatz vom Original abwich, wie z.B.

  • Barbettenlüfter an Turm Bruno (diese wurden im Januar 1941 modifiziert; Revell/Pontos bietet an der Stelle leider gar keine Aufwertung und Eduard nur die alte Lüfterversion)
  • Bugschallanlage (diese wird generell von den Herstellern ignoriert)
  • Neuer Munitionsaufzug seit Januar 1941 (Revell/Pontos/Eduard bieten nur die alte Version)
  • Darstellung mit Persenning abgedeckter Reling (entstand letztlich aus Toilettenpapier!)

Probleme mit den Masten gab es diesmal nicht, dank der beigefügten Pontos-Teile konnten diese historisch korrekt dargestellt werden.

Für das Rigging habe ich erstmals spezielles Material der Firma Infini Models verwendet, das gibt es in schwarz und weiß und ist 0,091 mm dick. Es ist sehr elastisch und man muss ein bisschen aufpassen beim Verkleben.

Hier ein kompletter Baubericht.

 

Insgesamt hatte ich wieder viel Spaß beim Bau dieses imposanten Schiffes.

Marco Berger