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Minenabwehrfahrzeug HMS Hurworth (1/350, Atlantic Models) von Frank Spahr Drucken
Montag, 18. Mai 2020 um 05:00

Das Original

Die Minenabwehrfahrzeuge der britischen Hunt-Klasse sind die größten aus glasfaserverstärktem Kunststoff gebauten Schiffe der Welt. Die Royal Navy hat den Ruf, weltweit führend im Orten und Räumen von Minen zu sein, und selbst in diesen modernen Zeiten sind diese Fähigkeiten unabdingbar. Die Schiffe der Hunt-Klasse haben eine Zweitrolle als Patrouillenfahrzeuge und werden bei Bedarf dem Fischereischutzgeschwader unterstellt. Vor kurzem wurde eine Flottille im Persischen Golf eingesetzt, um die Schiffahrtswege nach den Konflikten zwischen Iran und Irak frei zu halten. Die Schiffe verbleiben für lange Zeit im Einsatzgebiet, es werden regelmäßig die Besatzungen ausgetauscht.

HMS Hurworth (M39) wurde bei Vosper Thornycroft (UK)Ltd, Woolston Yard, Southampton, England gebaut. Ihr Stapellauf war am 25. September 1984, Taufpatin war Lady Ann Halifax. Sie wurde offiziell am 2. Juli 1985 in Dienst gestellt. Sie trägt als zweites Schiff diesen Namen und ist das zehnte Schiff der Klasse. Diese kombiniert die beiden traditionellen Rollen des Aufspürens und Räumens von Minen in einem Schiff, unter Verwendung modernster Ausrüstung.

Kurz nach Indienststellung half Hurworth 1987 bei dem Rettungseinsatz nach dem Unglück der Herald of Free Enterprise in Zeebrügge. Sie diente im ersten Golfkrieg von 1991. 2014 wurde sie umfassend überholt; neben neuen Antriebsmaschinen wurden ihre Sensoren für die Minensuche erneuert, um aktuellen Standards zu genügen. HMS Hurworth kehrte Anfang 2015 zur Flotte zurück; nach ersten Einsätzen in Heimatgewässern wurde sie später im Jahr in den Golf verlegt.

HMS Hurworth hat eine Besatzung aus sechs Offizieren und 39 Mannschaften. Sie gehört zum 1. Minenabwehrgeschwader in Portsmouth.

Länge: 60 m
Breite: 10 m
Verdrängung: 7621 t
Antrieb: 2 x Napier Deltic Diesel zu 3.540 PS
Höchstgeschwindigkeit: 17 kn
Bewaffnung: 1x 30 mm DS30M Mk 2 Geschütz, 2 Miniguns,3 MG

Der Bausatz

Modell: HMS Hurworth
Hersteller: Atlantic Models
Maßstab: 1/350
Material: Resinbausatz mit Fotoätzteilen und Weißmetallteilen; Messingdraht; Decalbogen mit Flaggen, Brückenfenstern und Rumpfnummern für alle Schiffe der Klasse
Art.Nr.: ATK 35010)
Preis: 56,25 Britische Pfund (aktueller Preis beim Hersteller)

Peter Hall von Atlantic Models hat den von WEM als HMS Ledbury produzierten Bausatz aktualisiert und unter seiner Marke neu herausgebracht. Es ist ein für ihn typischer Bausatz mit sehr guten Fotoätzteilen, einer sehr guten Bauanleitung, guten Resinteilen, die nur wenig Nacharbeit benötigen, und nicht so schönen Weißmetallteilen. Aber auch letztere ließen sich gut verarbeiten. Ihre Detaillierung und die Oberfläche ist allerdings materialspezifisch gröber. Die Decals sind sehr willkommen, auch die für die Brückenfenster.

Der Bau des Modells

Ich begann diesen Bausatz im Sommer 2018 und wollte ihn in schwerer See präsentieren. Dazu setzte ich die beiden Rumpfteile zusammen und versäuberte die Naht an der Wasserlinie. Nun konnte ich eine Basis für das Modell herstellen. Leider überzeugte mich diese Basis nicht, und nach einem zweiten Fehlschlag packte ich die Teile wieder ein und ließ sie erst einmal reifen.

Am Morgen des Heiligabends 2019 kehrte ich zum Projekt zurück und legte einen Ausschnitt für den Rumpf in einem Stück Styrodur an. Ich wollte immer noch eine lebhaftere See darstellen und das Schiff zeigen, wie es mit dem Bug in die Dünung eintaucht. Am Weihnachtsmorgen hatte ich die Basis in Form gebracht, zugeschnitten und den isolierten Rumpf mit Anschlussacrylmasse eingebettet.

Nach einer Urlaubswoche an der Küste stippelte ich weiße feste Wandfarbe auf die Basis und ließ diese für einige Tage durchtrocknen, während es nach dem Urlaub wieder an die Arbeit ging. Am Freitagnachmittag nach der ersten Arbeitswoche spritzte ich die Basis mit grüner und blauer Modellbau-Acrylfarbe. Am folgenden Wochenende grundierte und lackierte ich den Rumpf und ging die diversen Baugruppen an. Sie wurden zuerst versäubert, wo erforderlich zusammengebaut, und dann zum Grundieren auf Styrodurblöcken oder Zahnstochern befestigt. Die diversen Relings wurden vorgebogen, an den Montagestellen angepasst und dann ebenfalls zur Lackierung befestigt. Da es sich um ein recht kleines Schiff handelt, ging das alles recht schnell. Ich hatte praktisch keine Probleme beim Bau. Einzig der Aufbaublock benötigte etwas mehr Nacharbeit, um auf dem Deck zu passen.

Das Modell wurde praktisch aus dem Kasten gebaut. Ich fügte nur ein paar zusätzliche Rettungsinselkanister hinzu und Messingdraht zur Stabilisierung der unteren Rahen. Vorbildfotos folgend, erstellte ich den oberen Teil des Mastes neu und ersetzte das Weißmetallteil.

Ich folgte der Bauanleitung und kam weiter schnell voran. Mir gefiel besonders die Anzahl von sichtbaren Ausrüstungsgegenständen an Deck achtern und auf dem Bootsdeck darüber sowie das Ausmaß an richtig bunten Farbtupfern, die ich anbringen konnte. Zusammen mit der lebhaften See fand ich den Gesamteindruck zusehends ansprechend.

Die Bemalung

Das Modell wurde mit Stynylrez Primer grundiert; der weiße Primer wurde für die gelben und orangefarbenen Teile benutzt, ansonsten der graue. Diesen nutzte ich auch als Decksfarbe. Den Wasserpass und das Unterwasserschiff lackierte ich mit dem schwarzen Primer. Vallejo Fire Red ergab über dem schwarzen Primer dann ein passendes Ziegelrot für das Unterwasserschiff. Für die Rumpffarbe benutzte ich Vallejo Model Air Pale Grey Blue, und neben anderen Vallejofarben konnte ich mein über zehn Jahre altes DayGlo Orange von JPS noch gut einsetzen.

Ich hatte komplett übersehen, dass die Brückenfenster als Decals mitgeliefert wurden, deshalb habe ich es in diesem Text auch so deutlich erwähnt. Von daher lackierte ich die Fenster blauschwarz und maskierte sie mit meinem bewährten kip 308 Abklebeband.

Die Baugruppen wurden soweit möglich vorlackiert, inklusive der Relings. Die Relingszüge habe ich von Hand bemalt. Ich hatte lediglich am Schornstein Probleme mit mangelnder Haftung der Farbe, aber das ließ sich leicht beheben.

Die Endmontage

Als alles bemalt war, setzte ich die Komponenten zusammen, beginnend mit dem Welldeck achtern und von dort aus vorwärts und seitwärts. Nur vier Besatzungsfiguren von North Star Models wurden als Ausgucke in die Brückennocks gestellt. Die sehr begrenzte Takelung besteht aus geschwärztem 0,1-mm-Nickelsilberdraht von Albion Alloys. Dieser ist einigermaßen dünn, gerade und lässt sich gut zuschneiden und verkleben. Die vier markanten Stabantennen bestehen aus 0,2-mm-Messingdraht.

Eine Marineflagge aus dem Decalbogen wurde auf Alufolie aufgebracht und am Mast gesetzt. Schließlich konnte ich die Relings auch außenbords anbringen und die unvermeidlichen Ausbesserungen an der Bemalung durchführen. Mein üblicher freundlicher Mattlacküberzug des Vergessens tat das seine, um verbleibende Bausünden zu verbergen.

Das Modell wurde nicht gealtert, da praktisch alle Vorbildfotos die Schiffe der Klasse in sehr sauberem Zustand zeigten, zudem rosten GfK-Rümpfe eher wenig.

Schließlich wurde das Modell auf der inzwischen geglänzten und mit Acrylgel und weißer Künstlerölfarbe noch charakterisierten Basis befestigt.

Fazit

Das hat Spaß gemacht! Keine haarsträubenden Ätzteilkonstruktionen des Schreckens, rundum gute Passung, eine interessante Schiffsklasse mit reichlich bunten Gizmos, die das Deck höchst un-stealth-haft bevölkern – wer könnte da widerstehen?

Frank Spahr