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Britisches Polarforschungsschiff HMS Erebus (1/700, Eigenbau) von Lars Scharff Drucken
Sonntag, 26. Juli 2020 um 05:00

 

26.07.1845 - 175 Jahre Franklins Expedition in die Nordwestpassage

 

Heute vor 175 Jahren, am 26. Juli 1845, wurden Erebus und Terror, die beiden Schiffe der Expedition Franklins zur Entdeckung der Nordwestpassage, das letzte Mal von Europäern gesichtet (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die Royal Navy hatte seit dem 15. Jahrhundert immer wieder nach der Nordwestpassage gesucht, da diese von Europa aus die Fahrt in den Pazifik deutlich verkürzt hätte. Die Expedition Franklins wurde mit großem Aufwand ausgerüstet. Wegen der (für damalige Verhältnisse) guten Ausrüstung und aufgrund der schon vorhandenen Informationen, dachte man, dass die Expedition ihre Aufgabe, das verbliebene unbekannte Stück der Nordwestpassage zu finden, leicht bewältigen würde. Das spurlose Verschwinden der beiden Schiffe und ihrer Besatzungen war deshalb ein Schock. Erst mit Hilfe von Hinweisen der Inuit konnte das Schicksal von Sir John Franklin und seinen Männern aufgeklärt und schließlich im letzten Jahrzehnt auch die Wracks der beiden Schiffe gefunden werden.

Das Original

Das britische Polarforschungsschiff HMS Erebus wurde ursprünglich als eine Bombarde (Mörserschiff) der Fury-Klasse gebaut. Diese Schiffe waren dafür gedacht, mit schweren Mörsern Landziele zu beschießen. Sie konnten mit den Mörsern Ziele hinter Festungswällen bekämpfen, wozu die normale Schiffsartillerie wegen der flachen Flugbahn nicht in der Lage war. Falls die Bombarden nicht für ihre eigentliche Aufgabe gebraucht wurden, wurden sie oft als Kreuzer verwendet, z.B. zum Geleit von Konvois. Die Fury-Klasse wurde ab 1813 gebaut und war eine Weiterentwicklung der Vesuvius-Klasse. Diese 1812-13 gebauten Schiffe waren die ersten Bombarden, die seit der 1776-79 gebauten Aetna-Klasse in Auftrag gegeben worden wurden. Die Vesuvius-Klasse erhielt einen Rumpf, der ähnlich wie der einer Sloop aussah, allerdings sehr viel stabiler gebaut war, um den Rückstoß der Mörser aufnehmen zu können. Die Fury-Klasse war der Vesuvius-Klasse sehr ähnlich, hatte aber weniger Deckssprung und einen weniger eingezogenen Rumpf und war etwas größer. Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus einem 33-cm- und einem 25,4-cm-Mörser sowie zehn 24-Pfünder-Karronaden und zwei 6-Pfünder-Kanonen. Von der Fury-Klasse wurden 1813 drei Schiffe bestellt - Fury, Hecla und Infernal. 1819/20 wurden acht weitere Schiffe bestellt, von denen aber nur fünf - Meteor, Aetna, Sulphur, Thunder und Erebus - fertiggestellt wurden.

Bombarden wurden von der Royal Navy als gute Polarforschungschiffe betrachtet, da sie einen sehr stabil gebauten Rumpf hatten. Bereits 1741-42 war eine Bombarde, die Furnace, für eine Expedition zur Suche nach der Nordwestpassage eingesetzt worden. 1773 wurden zwei Bombarden, Racehorse und Carcass, für eine Expedition in Richtung Nordpol verwendet. Von der Fury-Klasse wurden Fury und Hecla 1820 zu Polarforschungsschiffen umgebaut, weitere Schiffe der Klasse wurden zu Vermessungsschiffen. Für die Antarktis-Expedition von James Clark Ross wurde 1839 die letzte vorhandene Bombarde, Erebus, zu einem Polarforschungsschiff umgerüstet. Dabei dienten die 1836 an der älteren Terror der Vesuvius-Klasse durchgeführten Modifikationen als Vorbild. So wurde die Bewaffnung entfernt und die Öffnungen für die Mörser durch ein durchgehendes Glattdeck als Oberdeck ersetzt. Der Rumpf wurde weiter verstärkt, insbesondere am Bug und durch zusätzliche interne Spanten und Verstärkungen. Als Schutz gegen das Packeis erhielt sie außerdem eine zusätzliche hölzerne Außenhaut anstelle der Kupferbeplankung. Die Seitengalerien wurden entfernt und eine Heizung wurde installiert. Für die Expedition Franklins 1845 bekam Erebus zusätzlich einen Schraubenantrieb, um im Eis besser manövrieren zu können.

Erebus war 32 m lang (auf dem Hauptdeck), 8,8 m breit und verdrängte 372 t ("Builders Measurement"). Der Antrieb bestand aus einer Barktakelage, womit 7-8 kn erreicht wurden. Als Hilfsantrieb war ein Kessel und eine Dampfmaschine (ursprünglich für eine Lokomotive gebaut) mit 25 PS vorhanden, womit 3-4 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand während Franklins Expedition aus 67 Mann (ursprünglich 68, aber einer wurde aus Grönland wieder zurück geschickt).

Erebus wurde 1823-26 von der Marinewerft Pembroke gebaut. Sie diente 1827-30 im Mittelmeer und wurde danach wieder aufgelegt. 1839 wurde sie in Chatham zum Polarforschungsschiff umgebaut. 1839-43 diente sie als Flaggschiff während der Antarktisexpedition von James Clark Ross. Das zweite Schiff dieser Expedition war die Terror. Die beiden Schiffe fuhren über Madeira, Teneriffa, Santiago, St. Helena, Südafrika, die Prinz Edward Inseln, Crozer Inseln und Kerguelen nach Tasmanien, das im August 1840 erreicht wurde. Von dort lief die Expedition im November 1840 zum ersten Mal in Richtung Antarktis aus, erkundete das Rossmeer und entdeckte u.a. das Ross-Schelfeis und die Vulkane Erebus und Terror (benannt nach den beiden Schiffen). Im April 1841 erreichte die Expedition wieder Tasmanien, wo überwintert wurde. Im Juli brachen die Schiffe erneut zur Erforschung des Rossmeeres auf. Nach der Überwinterung auf den Falklandinseln wurde im September 1842 zum dritten Mal die Antarktis angelaufen, dieses Mal die Antarktische Halbinsel, außerdem wurde ein kurzer Vorstoß in das Weddell-Meer unternommen. Im April 1843 erreichten die Schiffe wieder Südafrika, im September 1843 kam die Expedition in England zu ihrem Abschluss.

1845 wurde Erebus in Woolwich für Franklins Expedition modifiziert. Im Mai lief sie, erneut in Begleitung der Terror, zur Entdeckung der Nordwestpassage aus. Bis nördlich der Äußeren Hebriden wurden sie von den Sloops Rattler (berühmt durch ihr "Tauziehen" mit der Alecto) und Blazer begleitet, die die Aufgabe hatten, die langsamen Forschungsschiffe zu schleppen. Das Transportsschiff Baretto Junior begleitete die Expeditionsschiffe bis nach Grönland, das im Juni erreicht wurde. Dort wurden die Vorräte aus dem Transportschiff auf Erebus und Terror umgeladen. Im Juli brach die Expedition in Richtung Nordwestpassage auf. Sie überwinterten auf Beechey Island, wo drei Mann starben und begraben wurden (ihre eingefrorenen Leichname wurden 1984 bzw. 1986 obduziert). Im Frühling 1846 fuhren die Schiffe erst nach Norden durch den Wellington Channel, da dort aber der Weg durch Eis versperrt war, suchte die Expedition einen Weg nach Süden durch die Nordwestpassage. Durch den Peelsund kamen sie weit voran, aber im September 1846 froren die beiden Schiffe nördlich von King William Island im Packeis ein. Das weitere Schicksal der Expedition ist schwierig zu rekonstruieren. Laut einer 1857 gefundenen Nachricht wurden Erebus und Terror im April 1848 aufgegeben, nachdem Franklin und 23 weitere Expeditionsteilnehmer bereits gestorben waren. Die Überlebenden versuchten über das Packeis und King William Island das Festland zu erreichen, um über Back's Fish River nach Süden zu kommen. Man fand auch tatsächlich Leichen und diverse Gegenstände der Expedition, die zeigten, dass dieser Weg genommen worden war. Allerdings drehte ein Teil der Männer wohl um und segelte die Schiffe weiter nach Süden, wo sie erneut aufgegeben wurden. Kein Mitglied der Expedition überlebte.

Das Schicksal der Franklin Expedition war eines der großen Rätsel des 19. Jahrhunderts. Die Royal Navy und andere Organisationen schickten zahlreiche Schiffe und Suchmannschaften über Land, um Franklin und seine Männer zu finden. Diesen Unternehmungen gelang es viele Hinweise auf das Schicksal der Vermissten zu finden und dabei auch große Teil der Nordwestpassage zu erkunden. Im Rahmen dieser Suchexpeditionen fand 1853 auch die erste Durchquerung der Nordwestpassage statt - durch die Besatzung der Investigator unter Robert McClure. Nach der Aufgabe ihres eingefrorenen Schiffs marschierten sie zu Fuß über das Packeis in Richtung Osten, als sie durch einen Trupp der Resolute gerettet und durch das letzte Stück der Nordwestpassage gebracht wurden. Erst 1903-06 gelang es Roald Amundsen mit der Gjøa erstmals die Nordwestpassage mit einem Schiff zu durchfahren. Die Wracks der beiden Schiffe Franklins blieben lange verschollen. Erst 2014 fand eine kanadische Expedition auf der CCGS Sir Wilfred Laurier die Erebus westlich der Adelaide-Halbinsel, 2016 wurde die Terror südlich von King William Island entdeckt. Beide Wracks liegen weit südlich der Position, an der sie erstmals aufgeben wurden. Sie werden seither erforscht, wobei man auch hofft, weitere Hinweise auf den Verlauf der Expedition zu finden.

Das Modell

Über Franklins Expedition habe ich schon zahlreiche Bücher gelesen, zuletzt Erebus von Michael Palin. Dies motivierte mich zu einer neuen Suche nach Plänen und tatsächlich fand ich auf der Seite des National Maritime Museums einen Teil der Originalpläne der Erebus, die auch die Modifikationen für die Expeditionen von Ross und Franklin zeigen. Für den Rumpf hatte ich so relativ gute Informationen, für die Takelage fand ich noch irgendwo im Internet eine Seitenansicht, an deren Proportionen ich mich orientierte.

Der Rumpf ist in Schichtbauweise aus Polystyrolplatten gebaut. Auch zahlreiche Rumpfdetails sind aus Polystyrolplatten, -stäben und - streifen, so der Heckspiegel, das Schanzkleid, Steven, Ruder, Niedergänge, Ankerspill, Gangspill, Schornsteine, Ankerkräne und die Befestigung der Steuerräder. Die Steuerräder selbst sind aus Fotoätzteilen. Die Form des Heckspiegels und des Bugs waren etwas schwer zu bestimmen, da diese auf den Plänen nur zum Teil dargestellt sind. Die vielen Abbildungen der Originale sind hier oft nicht klar oder widersprüchlich. Beim Bug habe ich deshalb auf die Darstellung einer Galion verzichtet und nur den Steven montiert.

Die Masten, Spieren und Rahe sind aus Metallstäben verschiedener Dicken gebaut, die Marsen und Salinge sind aus Plastikteilen. Die eingeholten Segel sind aus Weißleim. Die Takelung erfolgte mit schwarzem 40 Denier Faden von Infini und schwarzem 20 Denier Faden von UNI Caenis. Bei den Beibooten ergab sich wieder die Schwierigkeit, passende Boote zu finden, da die meisten Zubehörhersteller nur viel größere Boote anbieten. Aus verschiedenen Quellen, u.a. Niko Model, S-Model und Modelkrak, stellte ich den Satz Beiboote zusammen. Zwischen Groß- und Besanmast baute ich noch ein Bootslager aus Plastikteilen für die beiden umgedreht gelagerten Boote dort. Die Anker sind Fotoätzteile von North Star Models.

Für die Bemalung verwendete ich Farben von Vallejo Model Color: für den Rumpf 167 Anthrazitgrau und 4 Cremeweiß, für das Deck 110 Achatgrau und für diverse Details an Deck 139 Mahagonibraun.

Zuletzt noch einige Ansichten mit anderen Polarforschungsschiffen. Links mit der Wostok (1819) und Kainan Maru (1910), rechts mit der Georgi Sedow (1967) und L'Astrolabe (2017).

Quellen

Lars