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Richard Endsor: The Master Shipwright's Secrets Drucken
Samstag, 27. Juni 2020 um 05:00

The Master's Shipwright: Titel

Titel: The Master Shipwright's Secrets. How Charles II built the Restoration Navy
Autor: Richard Endsor
Verlag: Osprey Publishing
Erscheinungsjahr: 2020
ISBN: 978 1 4728 3838 4
Umfang: 304 Seiten mit zahlreichen farbigen Plänen, Zeichnungen und Bildern
Preis: 65 Britische Pfund

Inhalt

Über Schiffe des 17. Jahrhunderts genaue Informationen zu bekommen, ist durchaus schwer. Damals gab es oft keine detaillierten Pläne der Schiffe. Dieses Buch rekonstruiert das englische 46-Kanonenschiff 4. Ranges HMS Tyger von 1682, eine schnelle Fregatte, die auch für den Einsatz im Mittelmeer gedacht war und deshalb auch gerudert werden konnte. Der Autor, Richard Endsor, beschreibt ausführlich, mit welchen Methoden das Schiff entworfen, gebaut und repariert wurde. Neben zahlreichen Plänen und Zeichnungen der Tyger sind auch Pläne von zwei ähnlichen Schiffen enthalten: der HMS Mordaunt (1682) und der HMS St Albans (1687) sowie drei Originalpläne von damaligen Schiffen 4. Ranges.

Der rote Faden des Buches ist der Bau der Tyger. Allerdings werden auf dem Weg viele Themen behandelt. Auf die Reparatur und Verbesserung von Schiffen, u.a. am Beispiel des Schiff 4. Ranges HMS Woolwich von 1675, wird dabei ebenso eingegangen wie auf die Interaktion zwischen dem König, der Admiralität und den verantwortlichen Schiffsbauern auf den Marinewerften. Daneben geht es auch um Erfindungen und Neuentwicklungen gegen Ende 17. Jahrhunderts, wobei sowohl erfolgreiche (wie frühe Fregatten oder das Steuerrad) als auch weniger erfolgreiche (wie ein Katamaran, Bleibeplankung oder verschiedene alternative Pumpen) beschrieben werden.

Die Tyger von 1682 war zwar eindeutig ein neues Schiff, aber offiziell war sie ein "Rebuilt" der alten Tyger von 1647. Entsprechend beginnt die Geschichte auch mit der alten Tyger, deren Untersuchung 1674 und schließlichen deren Abwracken. Dabei wurden einige Teile erhalten, um den Neubau als Reparatur des alten Schiffs darstellen zu können. So wurde auch ein Teil der Besatzung der alten Tyger weiter bezahlt, um die Fiktion aufrechtzuerhalten, dass dieses Schiff noch existierte. Die neue Tyger wurde nach den Erfordernissen des Kriegs gegen die Barbaresken geplant. Hierbei mussten die Bedingungen des Mittelmeers berücksichtigt werden und dazu gehörte die Anforderung, dass das Schiff sowohl schnell gesegelt als auch mittels Riemen bei Flaute angetrieben werden konnte. In diesem Teil des Buches werden zudem diverse andere Schiffe beschrieben, die für den Einsatz gegen die Barbaresken gebaut wurden. So wurden 1671 auch zwei Galeeren für die Royal Navy gebaut. Natürlich werden auch die Galeerenfregatten des 17. Jahrhunderts, die James Galley und Charles Galley, und deren Vorläufer aus dem 16. Jahrhundert (darunter eine Tyger von 1545) beschrieben. Während die Galeerenfregatten Demi-Batterie-Schiffe waren, deren unteres Deck primär für die Ruderer vorgesehen und nur achtern mit wenigen Kanonen bestückt war, war die neue Tyger von 1682 ein Zweidecker, auf dessen unterem Batteriedeck zwischen den Stückpforten auch Öffnungen für die Riemen vorhanden waren.

Nach den Anforderungen an das neue Schiff beschreibt Richard Endsor die damaligen Methoden, ein Schiff zu konstruieren. Insbesondere, wie die Linien des Schiffs bestimmt wurden und wie diese auf Formen in Originalgröße übertragen wurden, um die Spanten korrekt zu formen. Die Grundlage sind hier zahlreiche zeitgenössische Werke über Schiffsbau, darunter auch ein nicht veröffentlichtes Manuskript von John Shish, dem Master Shipwright in Deptford, der die Tyger entwarf und für den Bau verantwortlich war. Für die Rekonstruktion der Tyger untersucht der Autor ähnliche Schiffe, die deshalb auch relativ detailliert beschrieben werden, insbesondere HMS Mordaunt und HMS St Albans. Von beiden Schiffen sind zeitgenössische Modelle erhalten. Mordaunt, deren Modell heute dem National Maritime Museum gehört, wurde damals ebenfalls in Deptford auf private Rechnung nach ähnlichen Anforderungen gebaut und später von der Royal Navy gekauft. St Albans, deren Modell heute dem Trinity House gehört, wurde auch von Shish entworfen und das Modell stammt von der Werft Shishs. Neben den Modellen nutzt Endsor auch drei Originalpläne: einen eines Schiffs 4. Ranges von 1684 von William Keltridge, eventuell ähnlich den damals gebauten Schiffen St Albans, Deptford und Sedgemoor; einen Plan eines Schiff 4. Ranges von William Keltridge von 1684, der die Adventure zeigen soll; sowie einen Plan aus dem venezianischen Staatsarchiv, der ein englisches Schiff 4. Ranges zeigt. Natürlich werden auch die Zeichnungen und Gemälde der Tyger von Willem van de Velde berücksichtigt. Dieser hat das Schiff in vielen Skizzen und mehreren Bilder festgehalten. Auch eine Reihe von erhaltenen Verträgen enthalten viele nützliche Details für die Rekonstruktion.

Die folgenden Kapiteln widmen sich dem Bau der Tyger, ihrer Ausrüstung, Bewaffnung und frühen Dienstzeit. Hier finden sich viele Details über die damaligen Bautechniken sowie über den Wandel der Bewaffnung dieser Zweidecker im 17. Jahrhundert.

Das Buch ist wirklich reich illustriert. Da das Seitenformat etwas größer ist als DIN A4 und die Papierqualität gut, sind die Abbildungen entsprechend groß und in hoher Qualität wiedergegeben. Praktisch auf jeder Seite findet man diverse farbige Zeichnungen, die z.B. Teile des Schiffs zeigen. Endsor hat zahlreiche Skizzen selbst beigetragen, es sind aber auch viele Zeichnungen aus zeitgenössischen Quellen enthalten. Dazu kommen viele farbig wiedergegebene Gemälde, erneut von zeitgenössischen Malern wie Willem van de Velde, aber auch einige Bilder des Autor. Die im Text diskutierten anderen Schiffe werden oft auch in mehreren Abbildungen gezeigt, so illustrieren diverse vom Autor gezeichnete Seitenansichten z.B. die Jachten Saudaoes und Charlotte, die Fregatte Les Jeux (später HMS Play Prize), die Galeere Margaret Galley, die Tyger von 1545 sowie die Galeerenfregatten James Galley und Charles Galley. Die Mehrzahl der Zeichnungen zeigen natürlich die Tyger und deren Bauprozess, aber auch den Abrwackprozess des alten Schiffs. Neben den schon oben erwähnten Originalplänen enthält das Buch Pläne der Rümpfe von Mordaunt, St Albans und Tyger. Diese Pläne sind im Maßstab 1/72 auf ausfaltbaren Seiten gedruckt. Sie sind farbig und umfassen im Fall von Mordaunt Seitenansicht, Aufsicht, Rumpflinien sowie einige perspektivische Ansichten. Für die St Albans findet man zusätzlich einen Längsschnitt und mehre Querschnitte, aber keine perspektivischen Ansichten. Am umfangreichsten sind die Pläne der Tyger: hier gibt es die Rumpflinien, Ansichten der Spantenkonstruktion, einen Längsschnitt, Querschnitte, Heckansicht, Aufsichten der verschiedenen Decks, Seitenansicht, Darstellung des Takelage (stehendes und laufendes Gut sowie die Segel), die Beiboote und die Geschütze inklusive einiger Seitenansichten, die deren Aufstellung zeigen. Der große Maßstab und die gute Druckqualität dürfte diese Pläne auch für den Bau von Modellen in großen Maßstäben geeignet machen.

The Master's Shipwright: Beispielseite

Im Anhang findet sich ein visueller Glossar, d.h. ein Längsschnitt, Querschnitt sowie Bug- und Heckansicht, dessen Teile beschriftet sind. Zudem sind eine Reihe von Verträgen der Admiralität mit Werften über den Bau verschiedener Schiffe 4. Ranges und die detaillierte Untersuchung der HMS Mordaunt von 1682 (zum Zeitpunkt des Ankaufs des Schiffs) abgedruckt. Hilfreich sind die Quellenangaben und das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches.

Fazit

Endsors Buch über den Bau des englischen 46-Kanonenschiffs 4. Ranges HMS Tyger von 1682 ist ein wahrer Prachtband. Die großartigen Zeichnungen, die vielen Bilder, die detaillierten Pläne und die umfassende Sammlung an zeitgenössischen Quellen sind einfach toll anzuschauen - und natürlich sowohl für die interessant, die sich aus historischer Sicht mit den Schiffen des 17. Jahrhunderts beschäftigen, als auch für die, die sich an den Bau eines solchen Schiffs wagen wollen. Zu den reichen Abbildungen kommt ein interessant geschriebener Text. Wegen dem aufwendigen Druck hat das Buch natürlich einen entsprechenden Preis. Meiner Meinung nach ist es

alt sehr empfehlenswert

Lars